🇩🇪 2026
GUIDE · § 1A KSCHG · FAUSTFORMEL

Wie hoch ist eine Abfindung?

Ein halbes Monatsgehalt pro Jahr: Diese Faustformel kennt fast jeder. Wann sie gilt, wann mehr drin ist – und was netto übrig bleibt.

Ihre Angaben

Wie hoch ist eine Abfindung üblicherweise?

Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung gibt es in Deutschland nicht. Trotzdem hat sich eine Faustformel durchgesetzt, an der sich Arbeitsgerichte, Arbeitgeber und Anwälte orientieren:

Abfindung = 0,5 × Bruttomonatsgehalt × Jahre der Betriebszugehörigkeit

Dieser Faktor von 0,5 entspricht auch der gesetzlichen Abfindung nach § 1a KSchG: Kündigt der Arbeitgeber betriebsbedingt und bietet im Kündigungsschreiben eine Abfindung an, wenn Sie auf eine Kündigungsschutzklage verzichten, beträgt sie genau ein halbes Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr. Zeiträume von mehr als sechs Monaten werden auf ein volles Jahr aufgerundet.

Beispiel: 3.500 € Monatsgehalt, 12 Jahre im Unternehmen

0,5 × 3.500 € × 12 = 21.000 €. Bei einem übrigen Jahresgehalt von 42.000 € bleiben nach Steuern (mit Fünftelregelung, ledig) 14.740 €.

Betriebszugehörigkeit (3.500 € brutto/Monat)Abfindung (Faktor 0,5)Netto (42.000 € übriges Gehalt)
3 Jahre5.250 €3.715 €
5 Jahre8.750 €6.180 €
10 Jahre17.500 €12.305 €
15 Jahre26.250 €18.380 €
20 Jahre35.000 €24.400 €

Was den Faktor nach oben oder unten treibt

Was zum Bruttomonatsgehalt zählt

Neben dem Grundgehalt in der Regel auch anteiliges Weihnachts- und Urlaubsgeld, regelmäßige Zulagen und der geldwerte Vorteil eines Dienstwagens. Das kann den Betrag spürbar erhöhen – fragen Sie nach, wie Ihr Arbeitgeber gerechnet hat.

Vorsicht bei Aufhebungsverträgen

Unterschreiben Sie einen Aufhebungsvertrag, droht beim Arbeitslosengeld eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen. Wird die Kündigungsfrist nicht eingehalten, kann das Arbeitslosengeld zusätzlich ruhen. Eine Beratung bei einem Fachanwalt für Arbeitsrecht oder Ihrer Gewerkschaft ist vor der Unterschrift fast immer gut investiert.

Verhandlungstipps

Zum Schluss: Die Faustformel ist nur ein Ausgangspunkt. In Branchen mit Tarifverträgen oder bei großen Umstrukturierungen regeln Sozialpläne die Abfindung oft großzügiger, mit Zuschlägen für Alter, Kinder oder Schwerbehinderung.

FAQ

Wie berechnet man eine Abfindung?

Als Faustformel: 0,5 Bruttomonatsgehälter pro Jahr der Betriebszugehörigkeit. Bei 3.500 € und 12 Jahren sind das 21.000 €.

Habe ich einen Anspruch auf eine Abfindung?

Nicht automatisch. Ein Anspruch entsteht durch Sozialplan, Tarifvertrag, Vergleich vor Gericht, Aufhebungsvertrag oder das Angebot nach § 1a KSchG bei betriebsbedingter Kündigung.

Wie viel bleibt von 21.000 € Abfindung netto?

Bei 42.000 € übrigem Bruttogehalt (ledig, ohne Kirchensteuer) rund 14.740 € nach der Steuererklärung.

Quellen: §§ 24, 34 und 39b EStG (Änderung durch das Wachstumschancengesetz, gültig ab 1.1.2025), § 32a EStG Tarif 2026, SolZG 1995; Beitragsbemessungsgrenzen 2026 (RV 101.400 €, KV 69.750 €). Stand: 5. November 2026.

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